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Bibel-Ausstellung

„Luther hat uns Wort Gottes auf Deutsch geschenkt“

„Luthers Schreibtisch“ im Frankfurter Bibelhaus

„Luthers Schreibtisch“ im Frankfurter Bibelhaus

Bundespräsident Joachim Gauck zeigte seine Anerkennung für Martin Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche: „Sie ist zur Referenz und gleichzeitig zur unerschöpflichen Quelle unserer ganzen sprachlichen Kultur geworden“. Anlass war die Ausstellungseröffnung über Luthers Meisterwerk in Frankfurt am Main.

Seit 493 Jahren hat die deutsche Bevölkerung die Chance, die Glaubensinhalte der Bibel selbständig zu verstehen. Den Grundstein dazu legte Martin Luther mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Damit habe uns Luther das Wort Gottes auf Deutsch geschenkt - so würdigte Bundespräsident Joachim Gauck das Werk des Reformators anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Luthers Meisterwerk – eine Buch wie eine Naturgewalt"  des Bibelhaus Erlebnis Museums  am 15. September 2015 in Frankfurt am Main.

Luthers Meisterwerk – eine Buch wie eine Naturgewalt erleben

In der Sonderausstellung vom 16. September bis 31. Dezember zeigt das Bibelhaus einzigartige Bibeldrucke von der Gutenberg-Bibel über Erstausgaben des Neuen Testaments und der „Biblia Deutsch“ Martin Luthers von 1534 bis zu den reformierten und katholischen Bibelausgaben des 16. Jahrhunderts. Außerdem wird die Bandbreite vorreformatorischer Bibelausgaben präsentiert. Insgesamt sind mehr als 70 Inkunabeln, Drucke und Autographen zu sehen. Außerdem lassen multimediale Angebote, Mitmach-Elemente und ein Begleitprogramm die Worte lebendig werden.

Bundespräsident Joachim Gauck verneigt sich vor dem "Sprachkünstler im Nebenberuf"

Mit seiner Ansprache hat Bundespräsident Joachim Gauck die Ausstellung im Bibelhaus in Frankfurt eröffnet. Der studierte Theologe stand von 1965 bis 1990 im Dienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und arbeitete viele Jahre als Pastor. Laut Gauck war das Ziel der Bibelübersetzung Luthers: „Die Verankerung des Wortes Gottes in den Seelen der Menschen – zu ihrem Heil.“ Luther sei davon ausgegangen, dass der Mensch sich sein Seelehnheil nicht verdienen könne, sondern dass Gott in seiner Gnade den Menschen schon gerecht gemacht habe. Der Bundespräsident vertrat die Auffassung, dass uns Luther das Wort Gottes auf Deutsch geschenkt habe. Dabei habe dieser "Sprachkünstler im Nebenberuf" die Seele der deutschen Sprache lebendig werden lassen, weil ihm das Seelenheil seiner Deutschen am Herzen gelegen habe. Als deutsches Staatsoberhaupt würdigte Joachim Gauck, dass die Übersetzung Luthers zur Referenz und gleichzeitig zur unerschöpflichen Quelle unserer ganzen sprachlichen Kultur geworden sei, auch zur Grundlage aller späteren deutschen Bibelübersetzungen. Er betonte: „Sie ist, kurzum, unser aller Buch geworden.“

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm spürte Rhetorik des Herzens nach

Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzenden der EKD, hob die Bedeutung der Übersetzung Luthers hervor: „Luthers Bibeldeutsch ist fester Bestandteil unser Sprache geworden.“ Seine Feststellung hatte er zuvor an einigen Wendungen veranschaulicht wie „Fleisch und Blut“, „Milch und Honig“ oder „die Spreu vom Weizen trennen“. Bedford-Strohm, der auch als evangelischer Theologie-Professor in New York, Heidelberg, Gießen und Bamberg dozierte, unterstrich zudem die poetische Kraft und sprachliche Ästhetik Luthers. Allerdings machte der Landesbischof auch eine gewisse Fremdheit in Luthers Übersetzung aus, die durch den sakralen Sprachstil begründet sei. Dennoch hatte sich Luthers Werk rasch verbreitet, unter anderem durch den aufkommenden Buchdruck. „Vielleicht liegt das Geheimnis des Erfolgs seiner Bibelübersetzung in dieser `Rhetorik des Herzens´, wie es die Sprachwissenschaftlerin Birgit Stolt genannt hat: Im engen Zusammenhang von Gedanken, Gefühl, Wort und Glaube“.

Kirchenpräsident Jung erinnert an Goethes würdigende Worte

Dr. Volker Jung, der Kirchenpräsidenten der EKHN, zeigte sich in seinem Grußwort überzeugt, dass die Bibel in der Sprachkraft Martin Luthers auch heute in unser Leben hinein spreche und gesellschaftlich orientierend wirken könne. Er erinnerte an das Jesus-Wort: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe würdigte Jung das Wirken Luthers: „Wir wissen gar nicht, was wir Luther nun der Reformation im Allgemeinen alles zu danken haben. Wir sind frei geworden von den Fesseln geistiger Borniertheit, wir sind infolge unserer fortwaschsenden Kultur fähig geworden, zur Quelle zurückzukehren und das Christentum in seiner Reinheit zu fassen. Wir haben wieder den Mut, mit festen Füßen auf Gottes Erde zu stehen und uns in unserer gottbegabten Menschennatur zu fühlen.“

Direktor des Bibelhauses: Sprachbarrieren aus dem Weg geräumt

„Sie dürfen drucken, raubkopieren und binden“, so machte Dr. Jürgen Schefzyk, der Direktor des Bibelhaus Erlebnis Museums, Lust auf die Ausstellung. In seiner Rede erklärte er die Bedeutung der Bibelübersetzung Luthers: „Luther hat die Rettung durch das Kreuz im Fokus.“ Aber ohne eine Sprache, die alle verstehen, sei der Weg zur Rettung durch große Steine versperrt. Schefzyk betonte: „Er räumt sie aus dem Weg.“

Hintergrund: Glaubensinhalte in verständlichem Deutsch

Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg erschienen in rascher Folge 18 Übersetzungen in nieder- und oberdeutscher Sprache. Doch heute ist vor allem Martin Luthers Werk bekannt. Sein „Septembertestament“ erschien  1522 und sofort war die Auflage von 3000 Exemplaren verkauft. Die Bibel nach Martin Luther ist bis heute die herausragende Bibelübersetzung. Dem Reformator gelang es zum ersten Mal die Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen in verständliches Deutsch zu übersetzen. Die Ausstellung belegt, wie Martin Luthers Sprachschöpfungen auch in der Gegenwart präsent sind.

Führungen, Vorträge, Diskussionen und Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen und Werkstätten, Diskussionen, Vorträgen und Lesungen beschäftigt sich unter anderem mit den theologischen Prämissen der Lutherübersetzung, heiligen Schriften in Judentum, Christentum und Islam sowie Bibelübersetzung in einem anderen Kulturkreis wie Indonesien. Die zielgruppenorientierten Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche sowie kunst-, geschichts- und theologieinteressierte Erwachsenenkreise. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei pädagogischen Angeboten für Schulklassen. Quiz-App, Ausstellungs-App und Audio-Guide auf Deutsch und Englisch schlagen den Bogen von der Medienrevolution des 21. Jahrhunderts zum Original vor 500 Jahren. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Nünnerich-Asmus Verlag.
„Luthers Meisterwerk“ findet im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 statt. Sie wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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